Be­ra­tungs­kos­ten­zu­schüs­se für KMU
und Selb­stän­di­ge (Stand: 30.6.2020)

In­halt
I. Wis­sens­wer­tes über Beratungskostenzuschüsse
II. Aus­ge­wähl­te Zu­schüs­se für klei­ne Unternehmen
und Selb­stän­di­ge
III. Grund­le­gen­de Be­din­gun­gen zur Er­lan­gung einer
För­de­rung

Die Be­auf­tra­gung ei­nes Un­ter­neh­mens­be­ra­ters kann teu­er wer­den. Aber ge­ra­de in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen, bei sin­ken­den Ge­win­nen oder Li­qui­di­täts­eng­päs­sen sind qua­li­fi­zier­te Be­ra­ter mit neu­en Ideen und neu­tra­lem Blick auf das Un­ter­neh­men nö­tig. Da­mit Sie als Un­ter­neh­mer in sol­chen Si­tua­tio­nen die Kos­ten ei­ner gu­ten Be­ra­tung stem­men kön­nen, ist es mög­lich, Be­ra­tungs­kos­ten­zu­schüs­se in An­spruch zu nehmen.

I. Wis­sens­wer­tes über Be­ra­tungs­kos­ten­zu­schüs­se Be­ra­tungs­kos­ten­zu­schüs­se ha­ben das Ziel, ei­nem Un­ter­neh­mer Zu­gang zu kos­ten­pflich­ti­gem Ex­per­ten­wis­sen zu er­mög­li­chen und ihn da­bei fi­nan­zi­ell zu ent­las­ten. Ty­pi­scher­wei­se wer­den da­her Un­ter­neh­mens­be­ra­tun­gen, aber auch Se­mi­na­re, be­zu­schusst. Die För­der­mit­tel kom­men u. a. von der EU, der KfW-Bank, dem Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le oder den Bun­des­län­dern und müs­sen in
der Re­gel nicht zu­rück­ge­zahlt wer­den. Je nach An­lass lie­gen die Zu­schüs­se zwi­schen rund 1.500 € und knapp
4.000 €. In ei­ni­gen Fäl­len, etwa bei kom­ple­xen Tech­no­lo­gie­be­ra­tun­gen, wer­den Zu­schüs­se in Höhe von fast 14.000 € 
ge­währt. Ein Rechts­an­spruch auf Zu­schüs­se be­steht nicht.

Seit 2016 wer­den die meis­ten Zu­schüs­se über das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (BAFA) abgewickelt.
Ge­för­dert wer­den u. a.:
◼ Existenzgründungsberatungen/Gründungscoaching,
◼ Be­ra­tung zur Unternehmensnachfolge,
◼ Kri­sen-/E­xis­tenz­si­che­rungs­be­ra­tun­gen,
◼ En­er­gie­ef­fi­zi­enz-/Um­welt­schutz­be­ra­tun­gen,
◼ Be­ra­tun­gen zu spe­zi­fi­schen The­men, z. B. Er­schlie­ßung neu­er Märk­te, Si­che­rung von Ar­beits­plät­zen, Innovationen/F&E.

II. Aus­ge­wähl­te Zu­schüs­se für klei­ne Un­ter­neh­men und Selbständige

Die nach­ste­hen­de Über­sicht zeigt aus­ge­wähl­te Be­ra­tungs­kos­ten­zu­schüs­se für klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Betriebe.
Häu­fig kön­nen auch Selb­stän­di­ge oder Frei­be­ruf­ler die­se För­de­run­gen nutzen.
Wich­tig: Die Über­sicht mit den Be­schrei­bun­gen kann al­lei­ne auf­grund der Viel­zahl exis­tie­ren­der Zu­schüs­se nicht voll­stän­dig sein oder um­fas­send in­for­mie­ren. Soll­ten Sie sich bzw. Ihr An­lie­gen nicht wie­der­fin­den oder wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen be­nö­ti­gen, kön­nen Sie sich bei Ih­rem Berater,
bei Kam­mern, Ver­bän­den oder den ge­nann­ten Links und An­sprech­part­nern nach wei­te­ren För­der­mög­lich­kei­ten er­kun­di­gen. Oh­ne­hin kön­nen die IHK und HWK i. d. R. fun­dier­te Aus­künf­te zu den in der Über­sicht ge­nann­ten Pro­gram­men ge­ben und un­ter­stüt­zen häu­fig auch bei der Antragstellung.

Von der För­de­rung aus­ge­schlos­sen sind grund­sätz­lich Rechts- und Ver­si­che­rungs­be­ra­tun­gen so­wie rei­ne Dienst­leis­tun­gen, etwa die Er­stel­lung von Jah­res­ab­schlüs­sen oder die Er­ar­bei­tung von Ver­trä­gen. Auch Un­ter­neh­men, die sich in oder kurz vor der In­sol­venz be­fin­den, sind i. d. R. von För­de­run­gen aus­ge­schlos­sen. Dar­über hin­aus gibt es je nach Pro­gramm auch Aus­schlüs­se be­stimm­ter Bran­chen, z. B. Land­wirt­schaft, Fi­sche­rei oder Koh­le- und Stahl­in­dus­trie so­wie Aus­schlüs­se, wenn Un­ter­neh­men be­reits im Rah­men des Spit­zen­aus­gleichs (Strom­steu­er-/Ener­gie­steu­er­ge­setz) ent­las­tet wer­den. Kon­kre­te Re­ge­lun­gen fin­den sich in den
Richt­li­ni­en der je­wei­li­gen Programme.

Ex­kurs Corona-Krise

Das BMWi för­dert seit An­fang April auch Be­ra­tun­gen für von der Co­ro­na­kri­se be­trof­fe­ne KMU so­wie Frei­be­ruf­ler bis zu
ei­nem Vo­lu­men von 4.000 € ohne Ei­gen­an­teil. Das För­der­pro­gramm rich­tet sich an Un­ter­neh­men, die be­reits ge­grün­det sind. Vor­grün­dungs­be­ra­tun­gen wer­den nicht bezuschusst.

Die ver­bes­ser­ten För­der­kon­di­tio­nen gel­ten vor­erst bis Ende 2020. Zu­stän­dig für die Um­set­zung des Pro­gramms ist das
Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (BAFA). Wei­te­re In­for­ma­tio­nen dazu un­ter http://go.nwb.de/8rkle und
http://go.nwb.de/175t5.

III. Grund­le­gen­de Be­din­gun­gen zur Er­lan­gung ei­ner Förderung

Da das neu zu­sam­men­ge­stell­te Pro­gramm „För­de­rung un­ter­neh­me­ri­schen Know-hows“ – wie sei­ne Vor­gän­ger – in
der För­der­land­schaft eine gro­ße Be­deu­tung ein­neh­men wird und die BAFA die Ko­or­di­na­ti­on über­nimmt, wird im Fol­gen­den nur auf des­sen An­for­de­run­gen ein­ge­gan­gen. Be­ra­ter müs­sen sich on­line von der BAFA au­to­ri­sie­ren las­sen. Das gilt auch für „Be­stands­be­ra­ter“, die be­reits au­to­ri­siert wa­ren. Auch sie müs­sen den Pro­zess er­neut durch­lau­fen. Ohne Au­to­ri­sie­rung ist eine Ver­ga­be von För­der­mit­teln nicht mög­lich. Der von Ih­nen aus­ge­wähl­te Be­ra­ter soll­te im
Zwei­fel vor der Be­auf­tra­gung da­nach ge­fragt werden.

Die An­for­de­run­gen an und Nach­weis­mög­lich­kei­ten von Un­ter­neh­mens­be­ra­tern sind:
▪ Selb­stän­dig­keit: durch Ge­wer­be­an­mel­dung, An­mel­dung Fi­nanz­amt, Handelsregister-Auszug.
▪ Min­des­tens 50 % des Um­sat­zes aus ent­gelt­li­cher Be­ra­tung: durch Be­stä­ti­gung auf Er­klä­rung (Um­satz­auf­tei­lung Geschäftsfelder.
▪ Qua­li­fi­ka­ti­on: durch Le­bens­lauf, Fortbildungsnachweise.
▪ Qua­li­täts­si­che­rung: durch QM-Nach­wei­se, z. B. ei­ge­nes Qua­li­täts­ma­nage­ment (Leit­fa­den der BAFA
http://go.nwb.de/tlt1m), Zer­ti­fi­zie­rung nach DIN ISO
9001, Mit­glied­schaft im „Bun­des­ver­band Die KMU-Be­ra­ter“ (www.kmu-berater.de).

Hin­weis: Be­ra­tungs­kos­ten­zu­schüs­se sind de-mi­ni­mis­pflich­tig. Es han­delt sich um eine Ver­ord­nung der EU, mit der
Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen auf­grund ei­nes fi­nan­zi­el­len Vor­teils von Wett­be­wer­bern ver­mie­den wer­den sol­len. Daher
müs­sen die Bei­hil­fen an­ge­mel­det wer­den. Es wird ge­prüft, ob Un­ter­neh­men in­ner­halb von 3 Jah­ren maximal
200.000 €, im Stra­ßen­trans­port­ge­wer­be höchs­tens 100.000 € Zu­schüs­se er­hal­ten ha­ben (mehr z. B.
http://go.nwb.de/s2gxa oder http://go.nwb.de/j08c3). Sie soll­ten Ih­rem Be­ra­ter im Vor­feld ei­nes Auf­trags sa­gen, ob,
wann und in wel­cher Höhe Sie be­reits För­der­mit­tel er­hal­ten ha­ben. So kön­nen Sie ver­mei­den, An­trä­ge zu stel­len, die
kei­ne Aus­sich­ten auf Er­folg ha­ben bzw. wis­sen, auf wie viel (Rest-)Budget Sie noch An­spruch haben.
Der An­trag auf För­de­rung bei der BAFA muss von Ih­nen vor Be­ginn der Be­ra­tung ge­stellt wer­den (Link:
http://go.nwb.de/qqylt). In der Re­gel hilft Ihr Be­ra­ter Ih­nen bei der An­trag­stel­lung und un­ter­stützt Sie bei der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ab­wick­lung. Im Merk­blatt „Hin­wei­se für KMU zur Be­ra­ter­aus­wahl“ (http://go.nwb.de/vh3gz) wird be­schrie­ben, wie Sie ei­nen gu­ten Be­ra­ter er­ken­nen, fin­den und aus­wäh­len können.

Be­son­ders wich­tig für Sie: Erst nach Vor­la­ge der In­aus­sicht­stel­lung darf ein Be­ra­ter­ver­trag ab­ge­schlos­sen werden.
Die Be­ra­tung selbst muss in­ner­halb von sechs Mo­na­ten ab­ge­schlos­sen wer­den. Zur Be­an­tra­gung der Zu­schüs­se müs­sen Sie fol­gen­de Un­ter­la­gen einreichen:
✓ Schrift­li­cher Beratungsbericht
✓ Ver­wen­dungs­nach­weis
✓ Rech­nung des Beratungsunternehmens
✓ Kon­to­aus­zug als Nach­weis der Zah­lung des Eigenanteils
✓ De-mi­ni­mis-Er­klä­rung
✓ EU-KMU-Er­klä­rung
✓ Be­stä­ti­gungs­schrei­ben des re­gio­na­len An­sprech­part­ners (Aus­nah­me Bestandsberatungsunternehmen)
Auf­grund der Kom­ple­xi­tät des The­mas ist es wich­tig, sich mit Ih­rem Be­ra­ter früh­zei­tig zu­sam­men­zu­set­zen, um verbindlich
zu klä­ren, wie man am bes­ten vor­geht, um die För­der­gel­der mög­lichst zeit­nah zu er­hal­ten. Ihr Be­ra­ter wird Ih­nen auch
sa­gen kön­nen, wel­che Un­ter­la­gen und Do­ku­men­te Sie be­nö­ti­gen, um die Zu­sam­men­ar­beit be­gin­nen zu können.
Au­ßer­dem soll­te dar­auf ge­ach­tet wer­den, dass es in ei­ni­gen Pro­gram­men auf­grund der Co­ro­na-Kri­se Än­de­run­gen oder
Er­gän­zun­gen gibt, z. B. bei der Beraterförderung.

Ka­dir Karayazili

Steu­er­be­ra­ter