Das BayLfSt hat am 27.5.2020 mit­ge­teilt, dass die den Solo-Selb­stän­di­gen, klei­nen Un­ter­neh­men, Frei­be­ruf­lern und Land­wir­ten ge­währ­ten Co­ro­na-So­fort­hil­fen zwar der Steu­er­pflicht hin­sicht­lich der Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er un­ter­lie­gen sol­len, aus um­satz­steu­er­li­cher Sicht hin­ge­gen ech­te nicht­steu­er­ba­re Zu­schüs­se dar­stel­len und we­der in den Um­satz­steu­er-Vor­anmel­dun­gen noch in den Um­satz­steu­er-Jah­res­er­klä­run­gen an­zu­ge­ben sind.

Eine Viel­zahl von Un­ter­neh­men hat eine Co­ro­na-Bei­hil­fe (So­fort­hil­fe) be­an­tragt. Zu be­grü­ßen ist die Aus­sa­ge der Fi­nanz­ver­wal­tung, dass die Co­ro­na-Bei­hil­fe um­satz­steu­er­recht­lich als ech­ter Zu­schuss zu wer­ten sei und man­gels Leis­tungs­aus­tauschs kei­ne steu­er­ba­re Leis­tung i. S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG vor­lie­ge. Mit Er­las­sen ist in Kür­ze zu rech­nen, wo­bei zu er­war­ten ist, dass die von Bay­ern ge­äu­ßer­te Auf­fas­sung bun­des­ein­heit­lich zur An­wen­dung kom­men wird. Of­fen war bis­lang, ob die Co­ro­na-Bei­hil­fe bei Prü­fung der Klein­un­ter­neh­mer­gren­ze in den Ge­samt­um­satz nach § 19 Abs. 1 UStG ein­zu­be­zie­hen ist. Durch die Qua­li­fi­ka­ti­on der Co­ro­na-Bei­hil­fe als nicht­steu­er­ba­re Leis­tung schei­det eine Ein­be­zie­hung in die Klein­un­ter­neh­mer­prüf­gren­ze aus. 

Er­trag­steu­er­lich geht die baye­ri­sche Fi­nanz­ver­wal­tung da­von aus, dass die sog. So­fort­hil­fe der Ein­kom­men­steu­er- und Kör­per­schaft­steu­er­pflicht un­ter­liegt. Dem ist nicht un­ein­ge­schränkt zu fol­gen: Be­triebs­ein­nah­men lie­gen nur dann vor, wenn sie im be­trieb­li­chen Zu­sam­men­hang zu­flie­ßen. Ob Be­triebs­ein­nah­men vor­lie­gen, muss nach dem je­wei­li­gen För­der­pro­gramm un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Be­an­tra­gungs­zeit­raums und des je­weils ge­wäh­ren­den Bun­des­lands be­stimmt wer­den. In ein­zel­nen Bun­des­län­dern war es für be­stimm­te Be­an­tra­gungs­zeit­räu­me so­gar zu­läs­sig, die So­fort­hil­fe zur De­ckung von Pri­vat­auf­wen­dun­gen ein­zu­set­zen. So ging z. B. NRW bei Be­an­tra­gung der Co­ro­na-So­fort­hil­fe da­von aus, dass ein Teil des Gel­des auch für den Le­bens­un­ter­halt ver­wen­det wer­den kann (s. Mel­dung des WDR v. 12.5.2020). Die Ein­schrän­kung, dass das Geld nur für be­trieb­li­che Sach- und Fi­nanz­auf­wen­dun­gen ge­nutzt wer­den darf, wur­de erst nach Ab­schluss der Ver­hand­lun­gen zwi­schen Bund und dem Land NRW zum 1.4.2020 ver­öf­fent­licht. Das Land NRW hat ent­schie­den, dass Solo-Selb­stän­di­ge, die ih­ren An­trag im März oder April 2020 ge­stellt ha­ben, ein­ma­lig 2.000 € der Co­ro­na-So­fort­hil­fen nut­zen kön­nen, um ih­ren Le­bens­un­ter­halt zu finanzieren.

Setzt der Ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge die So­fort­hil­fe nach­weis­lich und zu­läs­si­ger­wei­se zur De­ckung von Pri­vat­auf­wen­dun­gen ein, han­delt es sich man­gels be­trieb­li­chen Be­zugs in­so­weit nicht um eine Be­triebs­ein­nah­me. Die Mit­tel­ver­wen­dung ist aus­schlag­ge­bend für die Er­fas­sung als (ge­winn­wirk­sa­me) Be­triebs­ein­nah­me oder (ge­winn­neu­tra­le) Pri­vatein­la­ge. Durch die Ein­ord­nung als Pri­vatein­la­ge er­gibt sich eine Fol­ge­wir­kung für die Er­mitt­lung der ab­zieh­ba­ren Schuld­zin­sen gem. § 4 Abs. 4a EStG. Die Auf­tei­lung des Ge­samt­be­trags der So­fort­hil­fe ori­en­tiert sich dem­ge­mäß an der tat­säch­li­chen Ver­wen­dung der So­fort­hil­fe. Aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den könn­te es sich zu­min­dest in NRW für den zu­vor de­fi­nier­ten Be­an­tra­gungs­zeit­raum an­bie­ten, 2.000 € als pri­vat ver­an­lass­te Zu­wen­dung an­zu­se­hen. In den an­de­ren Bun­des­län­dern müs­sen die je­wei­li­gen För­der­be­din­gun­gen im An­trags­zeit­punkt nach den vor­ge­nann­ten Grund­sät­zen im je­wei­li­gen Ein­zel­fall ge­prüft werden.

Bei kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­gen Per­so­nen hat kei­ne Auf­tei­lung zu er­fol­gen, weil dort kein Pri­vat­be­reich existiert. 

Er­folgt eine be­trieb­li­che Mit­tel­ver­wen­dung der So­fort­hil­fe, be­darf es ei­ner wei­te­ren Prü­fung: Ver­wen­dung zu­guns­ten von 

  • lau­fen­den Betriebsausgaben,
  • Sach­an­la­ge­inves­ti­tio­nen,
  • nicht­ab­zieh­ba­ren Betriebsausgaben. 

Wird die Co­ro­na-Bei­hil­fe zu­guns­ten von nicht­ab­zieh­ba­ren Be­triebs­aus­ga­ben ein­ge­setzt (z. B. Ge­wer­be­steu­er­nach­zah­lung 2018), dürf­te sich auch die So­fort­hil­fe steu­er­lich nicht auf die Ge­winn­hö­he aus­wir­ken, da ein kau­sa­ler Zu­sam­men­hang mit den nicht­ab­zieh­ba­ren Be­triebs­aus­ga­ben existiert. 

Wird die Co­ro­na-Bei­hil­fe für die An­schaf­fung ei­nes Wirt­schafts­guts ein­ge­setzt, dürf­te die­se als Min­de­rung der An­schaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten statt ei­ner so­for­ti­gen Be­rück­sich­ti­gung als ge­winn­er­hö­hen­de Be­triebs­ein­nah­me zu be­rück­sich­ti­gen sein (Wahl­recht, s. R 6.5 Abs. 2 EStR). Bei Aus­übung die­ses Wahl­rechts er­gibt sich kei­ne un­mit­tel­ba­re Ge­winn­erhö­hung aus der So­fort­hil­fe. Im Aus­gleich er­gibt sich kein oder ein nur ge­rin­ger Ab­schrei­bungs­be­trag, weil sich durch die Min­de­rung der An­schaf­fungs­kos­ten der als Zu­schuss zu wer­ten­den So­fort­hil­fe auf ma­xi­mal 0 € (bzw. ei­nen Er­in­ne­rungs­wert von 1 €) kein oder ein nur ge­rin­ges Ab­schrei­bungs­po­ten­zi­al entsteht.

Ist eine So­fort­hil­fe zu­rück­zu­zah­len, ist eine kor­re­spon­die­ren­de Be­hand­lung zur Ein­nah­me­er­fas­sung vorzunehmen.

Bit­te teilt uns mit, wie wir die Co­ro­na-Hil­fe be­rück­sich­ti­gen sollen.

Bei Fra­gen ste­hen wir Ih­nen ger­ne zur Verfügung.

Vie­le Grü­ße und schö­nes Wochenende

Ka­dir Karayazili
Steu­er­be­ra­ter